Radiocolumn des Gwangju MBC (Sendung vom 9. April 2025)
Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz – Warum suchen wir wieder nach dem „Schmerz"?
Kim Chun-sik (Professor, Dongshin Universität / Vorsitzender des ADeKo-Ausschusses für Geisteswissenschaften und Bildung)
Künstliche Intelligenz ahmt menschliche Sprache schnell und präzise nach. Doch inmitten dieser Bequemlichkeit verlieren wir etwas – den Schmerz, die Trauer.
Trauer ist keine bloß negative Emotion. Wir trauern, weil wir geliebt haben; wir scheitern, weil wir geträumt haben. Trauer ist das Signal dafür, was uns wirklich wichtig ist – die Quelle menschlicher Empfindsamkeit.
Die Sprache der KI ist stets glatt und makellos. Keine Wunden, kein Zögern, keine durchwachten Nächte. Deshalb ist sie perfekt – und doch leer. Die Geisteswissenschaften hingegen haben sich seit jeher mit dieser „Sprache des Schmerzes" beschäftigt. Rilke schrieb: „Liebe deine Trauer." Er meinte: Geh hinein in den Schmerz, weiche ihm nicht aus.
Heute versorgen uns Algorithmen ununterbrochen mit neuen Reizen, damit wir nicht bei der Trauer verweilen. Wer seinen Schmerz nicht wirklich fühlen darf, verliert die Fähigkeit zur Empathie und beginnt, das Leid anderer nur noch als Datenpunkt wahrzunehmen.
Genau deshalb brauchen wir Geisteswissenschaften im KI-Zeitalter: die Fähigkeit, Schmerz auszuhalten, ihn in Sprache zu fassen und dadurch mit anderen Menschen in Verbindung zu treten. Das ist eine zutiefst menschliche Fähigkeit, die keine KI ersetzen kann. So raffiniert die Technik auch wird – das Gewicht echter Tränen lässt sich nicht imitieren.
📺 Zum Video:(Korean) Gwangju MBC Radiocolumn (09.04.2025) auf YouTube
Radiocolumn des Gwangju MBC (Sendung vom 9. April 2025)
Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz – Warum suchen wir wieder nach dem „Schmerz"?
Kim Chun-sik (Professor, Dongshin Universität / Vorsitzender des ADeKo-Ausschusses für Geisteswissenschaften und Bildung)
Künstliche Intelligenz ahmt menschliche Sprache schnell und präzise nach. Doch inmitten dieser Bequemlichkeit verlieren wir etwas – den Schmerz, die Trauer.
Trauer ist keine bloß negative Emotion. Wir trauern, weil wir geliebt haben; wir scheitern, weil wir geträumt haben. Trauer ist das Signal dafür, was uns wirklich wichtig ist – die Quelle menschlicher Empfindsamkeit.
Die Sprache der KI ist stets glatt und makellos. Keine Wunden, kein Zögern, keine durchwachten Nächte. Deshalb ist sie perfekt – und doch leer. Die Geisteswissenschaften hingegen haben sich seit jeher mit dieser „Sprache des Schmerzes" beschäftigt. Rilke schrieb: „Liebe deine Trauer." Er meinte: Geh hinein in den Schmerz, weiche ihm nicht aus.
Heute versorgen uns Algorithmen ununterbrochen mit neuen Reizen, damit wir nicht bei der Trauer verweilen. Wer seinen Schmerz nicht wirklich fühlen darf, verliert die Fähigkeit zur Empathie und beginnt, das Leid anderer nur noch als Datenpunkt wahrzunehmen.
Genau deshalb brauchen wir Geisteswissenschaften im KI-Zeitalter: die Fähigkeit, Schmerz auszuhalten, ihn in Sprache zu fassen und dadurch mit anderen Menschen in Verbindung zu treten. Das ist eine zutiefst menschliche Fähigkeit, die keine KI ersetzen kann. So raffiniert die Technik auch wird – das Gewicht echter Tränen lässt sich nicht imitieren.
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